Ich habe mich auf die Offizierslaufbahn mit einem Studium im Fachbereich Humanmedizin (kurz: Sanitätsoffizier) bei der Bundeswehr beworben. Nach meiner Bewerbung Anfang Juli kam kurz darauf die Einladung zum Assessment Center in Köln, der Termin war Mitte August. Im Assessment Center konnte ich mich durchsetzen, das heißt: Offizierseignung, Studieneignung und einen zugesicherten Medizinstudienplatz bei der Bundeswehr.
Assessment Center Tag 1: Anreise
Am Anreisetag sollte ich um 14 Uhr 30 an der Kaserne sein. Besser ist aber, schon um 13 Uhr 30 am Tor zu stehen. Sonst wird das mit der anschließenden Corona-Testung, dem Beziehen der Stuben und den Einweisungsvorträgen sehr knapp. Die Vorträge waren der einzige Programmpunkt an diesem Tag. Ich fand sie nicht sehr interessant, habe mir das aber natürlich nicht anmerken lassen.
Assesment-Center Tag 2: Bundeswehr-Einstellungstests, CAT-Test, Vorstellungsgespräch
Der zweite Tag des Assessment Centers ist vielleicht der wichtigste – jetzt müsst ihr performen! Wie man es bei der Bundeswehr erwartet, ging es früh los. 4 Uhr 50 aufstehen, 5 Uhr duschen. Von 5 Uhr 45 bis 6 Uhr 10 gibt es Frühstück, dann geht es mit den Einstellungstests los.
Geprüft werden Verhaltensstabilität (Vstab) und Führungskompetenz (FüKomp). Diese Tests fand ich recht einfach. Zum Beispiel gab es 3 vorgegebene Eigenschaften, wovon man eine der Kategorie „Trifft auf mich zu“ und eine der Kategorie „Trifft eher nicht auf mich zu“ zuordnen sollte. Man sollte sich nicht widersprechen, denn dieselben Eigenschaften tauchen mehrmals leicht umformuliert auf. Ansonsten kamen Aussagen wie: „Der Holocaust hat so nicht stattgefunden“, und man sollte dann „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen.
Sanitätstest
Als nächstes war der Sanitätstest an der Reihe. Das war für mich mit Abstand der schwerste Test. Los ging es mit Mathematik. Hier kam vor allem Prozentrechnung und Dreisatz im medizinischen Kontext dran. Rechnet also mit langen Textaufgaben. Es ist definitiv schwerer als: „Max hat 10 Brötchen für 5€ gekauft, wie viele kosten 12?“ Lasst euch aber nicht stressen: das Zeitfenster ist absichtlich deutlich zu klein. Von den 20 Aufgaben habe ich 16 geschafft.
Dann kam der zweite Teil des Sanitätstests: Textverständnis. Damit hatte ich deutlich weniger Probleme. Ihr bekommt einen kurzen Text zu einem biologisch-medizinischen Sachverhalt, und müsst anhand dieses Textes die korrekten Schlussfolgerungen ankreuzen. Achtung: hier sind Mehrfachantworten möglich. Das habe ich erst nach der dritten Frage bemerkt.
Gruppensituationsverfahren (GSV)
Das darauffolgende Gruppensituationsverfahren (GSV) besteht aus drei Teilen besteht und dauert 90 Minuten. Zuerst bekommt ihr eine Rolle zugeteilt (Abteilungsleiter für Maschinenbau, Abteilungsleiter für Lebensmittel,…) und müsst nach kurzer Einarbeitung 12 Minuten darüber diskutieren, wer eine begrenzte Ressource, zum Beispiel einen Zulieferungsfahrer bekommt. Auf euren Rollenkarten stehen weitere Details und Argumente. Beteiligt euch, versucht das Gespräch zu steuern, lasst andere ausreden und hört zu.
Im zweiten Teil müsst ihr gemeinsam einen Dienstplan erstellen. Die auszuführenden Tätigkeiten sind aufgelistet, teils mit Bedingungen (Tätigkeit A nur von 10-12 Uhr, Tätigkeit B nur an Tag 2 usw.) Alles gut machbar. Auch hier werdet ihr nicht mit allem fertig werden, das ist ganz normal.
Dann bekommt ihr ein Thema (in meinem Fall: die Betriebsfeier muss umorganisiert werden) und haltet dazu einen Vortrag von höchstens 8 Minuten. Die Vorbereitungszeit beträgt 25 Minuten. Auch hier gibt es einen Zettel mit genauen inhaltlichen Vorgaben, sogar mit Pro- und Kontra-Argumenten, die ihr nutzen könnt.
CAT-Test
Nach der Musterung beim Ärztlichen Dienst ging es zum CAT-Test. Der war einfacher als ich gedacht hatte. Diese Testtrainer sind hier auf jeden Fall sehr hilfreich. Die Muster- und Matrizenaufgaben waren wirklich wie in den Testtrainern und auch der Matheteil war vergleichsweise gut lösbar. Nach 25 Minuten war ich fertig.
Einen Mathekompetenztest (MathKomp) musste ich nicht machen. Den braucht man für die Zulassung zum Psychologiestudium. Auch der Sporttest kam nicht vor, das ist aber Corona geschuldet. Den macht man dann in der Grundausbildung.
Vorstellungsgespräch
Nach dem CAT-Test ging es für mich zum Vorstellungsgespräch. Merkt euch: Einfache Antworten auf einfache Fragen! Schweift nicht bei jeder Frage ab, wie ich es gefühlt getan habe. Wenn die Prüfoffiziere noch Fragen haben, melden sie sich. War das Gespräch erfolgreich, erhält man die Offizierseignung. Die letzte Hürde im Assessment Center ist aber die Studieneignung, denn die Bundeswehr stellt nur wenige Offiziere ohne Studium ein. Ausnahmen sind möglich, wenn jemand im CAT-Test und im GSV besonders gut abgeschnitten hat.
Assesment-Center Tag 3: Studienprüfgespräch
Das Studienprüfgespräch wird von einem Bundeswehrarzt durchgeführt. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, sich einen Tag vorher nochmal die Bio- und Chemie-Themen der Oberstufe ins Gedächtnis zu rufen. Achtet auch darauf, ausgeschlafen zu sein. Dann bekommt ihr das mit der Studieneignung auch hin.
Nach dem Gespräch geht es dann zum Einplaner. Spätestens jetzt erfahrt ihr eure Testergebnisse, und natürlich, ob ihr einen Studienplatz bei der Bundeswehr bekommt, auf der Warteliste seid oder ob es nicht gereicht hat.