In der Probezeit zeigt sich, ob Azubi und Arbeitgeber wirklich zusammenpassen. Wie gelingt der Start in die Ausbildung?
Neue Namen, neue Umgebung, neue Abläufe: Wer eine Ausbildung beginnt, muss sich an viele unbekannte Dinge gewöhnen. Und auf dem Weg ins Berufsleben lauern eine Menge Stolpersteine – jeder fünfte Azubi bricht seine Lehre vorzeitig ab. Die Probezeit in den ersten Ausbildungswochen gibt Betrieben und Berufseinsteigern die Möglichkeit zum gegenseitigen „Abtasten“.
Wozu dient die Probezeit?
In der Probezeit arbeitet man gewissermaßen „auf Probe“. In dieser Phase gibt es keine gesetzliche Kündigungsfrist, sodass Ausbildungsbetrieb und Azubi den Ausbildungsvertrag einseitig kurzfristig kündigen können. Wie lange die Probezeit dauert, steht im Ausbildungsvertrag: Das Berufsbildungsgesetz erlaubt zwischen einem und vier Monate. Eine Verlängerung der Probezeit ist nur dann möglich, wenn sie – etwa krankheitsbedingt – länger unterbrochen wurde.
Die ersten Tage im Betrieb
Die Arbeitsbelastung hält sich in den ersten Tagen normalerweise in Grenzen. Stattdessen erwartet frischgebackene Azubis meist eine Flut an Informationen. Ein Notizheft gehört daher zur Grundausstattung für Berufseinsteiger: Darin kann man nicht nur die Namen wichtiger Ansprechpartner festhalten, sondern auch Details zu den Betriebsabläufen, zur Berufsschule oder zu den Pausen- und Urlaubsregelungen.
Von Betriebs-Neulingen wird viel Eigeninitiative erwartet. Haken Sie also bei Unklarheiten selbstständig nach und erkundigen Sie sich in „Leerlauf“-Phasen, was es für Sie zu tun gibt. Der Ton macht die Musik: Wer sich motiviert, aufgeschlossen, kooperativ und freundlich gibt, wird schnell im Team akzeptiert. Auf Kollegen und Kolleginnen sollte man jederzeit höflich zugehen – und sie prinzipiell solange Siezen, bis einem das „Du“ angeboten wird.
Was tun bei Problemen?
Wenn man nicht alles auf Anhieb kann, nimmt einem das normalerweise niemand krumm. Und bei kleinen Widrigkeiten sollte man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen: Ohne den nötigen „Biss“, ohne Durchhaltevermögen lässt sich keine Berufsausbildung erfolgreich durchziehen. Was aber, wenn es ernsthafte Schwierigkeiten gibt? Wenn man sich beispielsweise in der Berufsschule oder im Betrieb überfordert fühlt? Oder wenn die Chemie schlicht und einfach nicht stimmt?
Als erste Anlaufstation bei Ausbildungsfragen dient der Ausbilder, der neben fachlichen und organisatorischen Tipps auch Feedback zum bisherigen Auftreten gibt. Die Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammern helfen ebenfalls bei Fragen und Problemen. Defizite im theoretischen Wissen oder im praktischen Know-how lassen sich – die Zustimmung des Arbeitgebers vorausgesetzt – durch Schulungen im Rahmen der ausbildungsbegleitenden Hilfen beheben. Die Kosten dafür übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. In extremen Krisen kann man sich an die VerA-Initiative zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen wenden: Sie stellt verzweifelten Azubis erfahrene Vertrauenspersonen zur Seite.
Weitere Infos
Projekt VerA: Die Initiative zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen stellt sich und ihre Angebote vor.
Dr. Azubi: Probleme in der Ausbildung? „Dr. Azubi“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds hilft schnell, unbürokratisch und anonym.